Was ist das Wechselmodell ?

Das Wechselmodell ist ein Modell der Betreuung von Kindern, deren Eltern getrennt leben, sich aber in der Kinderbetreuung abwechseln.

Das Wechselmodell erfordert ein gewisses Maß an Kommunikation und Übereinstimmung zwischen den Eltern. Dieses Betreuungsmodell kann deshalb nur dann durchgeführt werden, wenn beide Elternteile damit einverstanden sind. Ob ein Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils durch das Familiengericht angeordnet werden kann, ist umstritten. Überwiegend wird jedoch die Ansicht vertreten, dass dies nicht möglich ist.

Wechselmodell und Kindesunterhalt

Weit verbreitet ist die Überzeugung, dass bei einer Betreuung des Kindes im Wechselmodell kein Kindesunterhalt zu bezahlen ist. Doch dies stimmt so nicht. Die Verteilung der Unterhaltspflichten bei einem Wechselmodell ist in der Wirklichkeit viel komplizierter.

Hinsichtlich des Kindesunterhalts ist zu unterscheiden zwischen einem echten/strikten Wechselmodell und einem unechten Wechselmodell.

Echtes/Striktes Wechselmodell

Von einem echten bzw. strikten Wechselmodell spricht man, wenn beide Eltern die Betreuung des Kindes jeweils genau zur Hälfte übernehmen.

In diesem Fall sind beide Eltern verpflichtet, an das Kind anteilig einen Barunterhalt zu bezahlen.

Die Höhe des jeweils zu zahlenden Unterhaltsanteils richtet sich hier nach den Einkommensverhältnissen der Eltern.

Die Berechnung des anteiligen Kindesunterhalts beim echten Wechselmodell erläutern wir im folgenden Beispielsfall:

Das gemeinsame Kind K ist 8 Jahre alt. Die Mutter hat ein bereinigtes Nettoeinkommen 2.000,00 EUR, der Vater ein bereinigtes Nettoeinkommen 3.000,00 EUR. Die Mutter bezieht auch das Kindergeld.

Zunächst wird der Bedarf des Kindes nach der Düsseldorfer Tabelle ermittelt. Um die jeweilige Einkommensstufe in der Düsseldorfer Tabelle festlegen zu können, werden beide bereinigten Nettoeinkommen der Eltern zusammengerechnet.

Das Gesamteinkommen beträgt hier 5.000,00 EUR. Der Tabellenunterhalt für K beträgt somit nach Gruppe 10, Altersstufe 2, 583,00 EUR.

Im nächsten Schritt wird der Anteil an dem eben berechneten Unterhalt bestimmt, den der jeweilige Elternteil zu bezahlen hat. Bei der Berechnung ist bei beiden Elternteilen ein Selbstbehalt von 1.080 EUR zu berücksichtigen, bevor zu rechnen begonnen wird. Auch beim Gesamteinkommen werden zuvor noch 2.160,00 EUR Selbstbehalt abgezogen.

In einem 3. Schritt wird die so errechnete Prozentzahl des jeweiligen Elternteils mit dem Kindesunterhalt der Tabelle multipliziert. Dies ist dann der Betrag, den der jeweilige Elternteil an den anderen zu bezahlen hat.

Fortsetzung Beispielsfall:

Anteil des Vaters: (3.000,00 EUR -1.080,00 EUR /5.000,00 EUR - 2.160,00 EUR) x  583,00 EUR = 394,14 EUR

Anteil der Mutter (2.000,00 EUR -1.080,00 EUR /5000,00 EUR - 2.160,00 EUR) x  583,00 EUR = 188,86 EUR

Die Eltern werden diese Beträge gegeneinander verrechnen, so dass der Vater an die Mutter nur noch die Differenz zu zahlen hat, nämlich 205,28 EUR. Von diesem Betrag ist noch die Kindergeldhälfte des Vaters in Höhe von 92,00 EUR abzuziehen, die die Mutter einnimmt. Der Vater hat somit nur noch 113,28 EUR Kindesunterhalt zu bezahlen.

 „Unechtes Wechselmodell“

Heutzutage teilen sich viele Eltern auch nach Trennung und Scheidung die Kinderbetreuung, jedoch wird ein striktes Wechselmodell nicht sehr oft durchgeführt. Üblicherweise wird das Kind in diesen Fällen von beiden Eltern in einem erheblichen Umfang betreut, jedoch nicht exakt zur Hälfte.

Beispielsweise wird das Kind zu 40 % vom Vater und zu 60 % von der Mutter betreut. Während dieser Zeit kommt der im geringeren Umfang betreuende Elternteil für eine Vielzahl von Bedürfnissen des Kindes auf, die zum Unterhaltsbedarf zählen.

Dennoch hat der BGH entschieden, dass der Elternteil, dessen Betreuungsanteil zwar erheblich ist aber immer noch weniger als 50 % beträgt, den vollen Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle alleine bezahlen muss. Mit einer neuen Entscheidung vom 12.03.2014 ist der BGH ein Stück von dieser Rechtsprechung abgerückt.

Es bleibt zwar bei dem Grundsatz, dass der Elternteil, der das Kind zu weniger als 50% betreut, den vollen Barunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle alleine bezahlt.

Allerdings kann dieser Elternteil eine Herabstufung innerhalb der Düsseldorfer Tabelle um eine oder mehrere Gruppen verlangen, wenn er erhebliche eigene Mehrkosten hat, die sich aus der umfangreichen Mitbetreuung des Kindes ergeben. Zu denken ist hier an Fahrtkosten, Kosten für eine größere Wohnung mit Kinderzimmer usw.

Kommt der mitbetreuende Elternteil für Bedürfnisse des Kindes auf, die an sich mit dem nach der Düsseldorfer Tabelle errechneten Barunterhalt finanziert werden sollen, so kann in dieser Höhe der Tabellenunterhalt gekürzt werden, weil der Unterhaltsbedarf in anderer Weise gedeckt ist. Welche bedarfsdeckenden Kosten im Einzelfall zur Kürzung des Unterhalts führen, ist noch nicht endgültig geklärt. Zu denken ist insbesondere an Kosten für Verpflegung, Kleidung, Schulsachen. Der barunterhaltspflichtige Elternteil muss daher sehr detailliert vortragen, welche Kosten er für den Bedarf des Kindes trägt und diese Kosten durch entsprechende Belege nachweisen.